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Name der Seite: Judo Praxis
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Autor: Judo in Leonberg
Erstellungsdatum: 23.02.2008
Stand: 13.12.2018




Ausbildung


Die Judoka tragen eine knöchellange weiße oder blaue Baumwollhose (Zubon) und darüber eine halblange weiße oder blaue Jacke (Uwagi) aus Baumwolle, die durch einen farbigen Gürtel (Obi) zusammengehalten wird (Judo-Gi). Eine Farbkombination zu tragen wird nicht gern gesehen und ist bei Wettkämpfen grundsätzlich verboten, jedoch dürfen bei einigen Wettkämpfen die Mannschaften in Vereins- bzw. Landesfarben auftreten. An der Gürtelfarbe kann man den Ausbildungsstand des Judoka erkennen. Die ist allerdings eine relativ moderne Entwicklung, während in Japan nur weiße (Schüler) und schwarze (Meister) Gürtel existieren.

Jeder Anfänger beginnt mit einem weißen Gürtel. Nach entsprechender Trainingszeit kann er eine Prüfung vor einer Prüfungskommission ablegen. Für die erste Prüfung muss der Anfänger zumindest drei Würfe, Falltechniken und verschiedene Kombinationen am Boden zeigen. Der Prüfling demonstriert die Techniken mit dem Partner. Nach abgelegter Prüfung erhält der Anfänger das Recht und die Pflicht, den entsprechenden Gürtel zu tragen.

Seit dem 01.08.2005 gilt in Deutschland die einheitliche Kyuprüfungsordnung des DJB, nach der zusätzlich in jeder Gürtelprüfung ab dem 3. Kyu (grüner
Gürtel) eine Kata vorgeführt werden muss, das ist eine genau vorgeschriebene Abfolge von Bewegungsformen und Techniken. Das Kata-Training führt häufig zu einem noch besseren Beherrschen der jeweiligen Techniken, da auf eine absolut saubere Ausführung der jeweiligen Technik geachtet wird. Es gibt Boden- und Stand-Kata.

Gürtel


Gürtel oberhalb des 5. Dan (Großmeistergürtel) können nicht durch Ablegen einer Prüfung erreicht werden. Sie werden ausschließlich verliehen. Eine höhere Graduierung als zum 10. Dan ist weltweit nicht möglich! Lediglich Professor Jigoro Kano, dem Begründer des Judo, hat man nach seinem Tode den 11. Dan verliehen. Der 12. Dan ist für Menschen nicht erreichbar. Der Geist, die Idee des Judo soll den 12. Dan tragen. Die beiden ideellen, weißen, aber doppelt so breiten Gürtel des 11. und 12. Dan weisen darauf hin, dass auch der größte Meister immer noch nur ein Schüler ist. Auch sollen die Farben einen Kreis darstellen. So wird wiederum darauf verwiesen, dass man nie ausgelernt hat.

Judotechnik (Waza)


Die Judo-Techniken lassen sich grob in 3 Grundtypen einteilen:


Der Schwerpunkt des modernen Judosports liegt in der sportlichen Ertüchtigung und nicht unbedingt in der Selbstverteidigung. Jigoro Kano sagte, dass Judo

vor allem dazu dienen soll, durch das Training von Angriffs- und Verteidigungsformen Körper und Geist zu stärken.

Wurftechniken (Nage-waza)


Wurftechniken werden angewandt um den Partner vom Stand in die Bodenlage zu bringen. Es existiert eine Vielzahl von Möglichkeiten dieses Ziel zu erreichen. Dabei reicht die Auswahl vom einfachen Bein stellen (O-soto-otoshi) bis hin zu spektakulären Aushebern (Kata-guruma) oder auch dem klassischen Überkopfwurf (Tomoe-nage), der in vielen Hollywood Actionfilmen wiederzufinden ist. Man unterteilt die Techniken in folgende Untergruppen:

Koshi-waza (Hüftwürfe) Die eigene Hüfte wird unter den Schwerpunkt (Hüfte) des Partners gebracht. Die Beinstreckung bewirkt den Gleichgewichtsverlust des Partners.

Te-waza (Hand- und Armwürfe) Geworfen wird durch ausheben des Partners (Bsp. Te-guruma), durch plötzlichen Zug nach unten (Bsp. Uki-otoshi) oder durch werfen über die Schulter (Bsp. Seoi-Nage)

Ashi-waza (Bein- und Fußwürfe) Beinwürfe werden wiederum in Sichel- und Fegetechniken unterschieden. Erstere greifen das Standbein des Partners an und entziehen im so das Gleichgewicht. Bei den Fegetechniken hingegen wird das unbelastete Bein angehoben und dem Partner die Möglichkeit sich mit diesem abzustützen genommen.

Yoko-sutemi-waza (Opferwürfe/Selbstfaller zur Seite) Durch die Aufgabe des eigenen Stands erzielt man einen Schwung der sich ausnutzen lässt, um den Partner zu Boden zu werfen. Dabei wirft man den Partner zur Seite.

Ma-sutemi-waza (Opferwürfe/Selbstfaller nach hinten) Im Unterschied zu den Yoko-sutemi-waza wird der Partner nicht zur Seite, sondern über den eigenen Körper hinweg geworfen.

Koshi-waza, Ashi-waza und Te-waza werden unter dem Begriff Tachi-waza zusammengefasst werden. Yoko-sutemi-waza und Ma-sutemi-waza werden unter Sutemi-waza zusammengefasst.

Des Weiteren werden die Wurftechniken in der Gokyo (den 40 traditionellen Würfen) in 5 Gruppen nach ihrer Komplexität aufgeteilt.

Gut ausgeführte Wurftechniken benötigen wenig Kraft zur Ausführung, da sie den Schwung und die Bewegung des Partners geschickt ausnutzen. Aus diesem Grund übersetzt man Judo auch mit den Worten Der sanfte Weg.

Ukemi-waza (Falltechniken)


Um sich bei den Würfen nicht zu verletzen, müssen alle Judoka Falltechniken erlernen. Dabei werden Methoden geübt, so zu fallen, dass man sich dabei nicht verletzt. Fallen wird nach allen Seiten trainiert: Seitwärts (Yoko-ukemi), rückwärts (Ushiro-ukemi) und nach vorne (Ma-ukemi). Die Falltechnik vorwärts ist auch als Judorolle bekannt. Träger höherer Gürtelgrade trainieren sie als freien Fall in der Luft.

Ähnliche Falltechniken finden sich bei allen anderen Kampfsportarten, die Wurftechniken kennen, wieder. Häufig sind nur Details, wie z.B. das anschließende Aufstehen oder die Art und Weise, sich nach dem Fall vor weiteren Angriffen des Partners zu schützen anders. So stehen Judoka bei der Fallschule vorwärts in Laufrichtung auf, Ju-Jutsuka aber drehen sich noch im Aufstehen herum, um den Angreifer sofort wieder im Blick zu haben.

Haltetechniken (Katame Waza)


Osae-komi-waza (Festhaltetechniken) Mit Haltetechniken wird der geworfene Partner in der Rückenlage am Boden fixiert. Werden sie gut ausgeführt, ist es selbst mit speziellen Befreiungstechniken sehr schwierig, aus diesen zu entkommen. Man teilt die Haltetechniken in vier Gruppen ein: Kesa-gatame,
Yoko-shiho-gatame, Kami-shiho-gatame und Tate-shiho-gatame.

Kansetsu-waza (Hebeltechniken) Hebeltechniken werden im Judo nur auf den Ellenbogen angewandt. Dabei wird kontrolliert Druck auf das Gelenk aufgebracht und zugleich der Partner fixiert. Die Bewegung entgegen der anatomisch vorgesehen Bewegungsrichtung führt zu einem stechenden Schmerz, welcher den Partner zur Aufgabe zwingt. Das signalisiert er durch Abklopfen, also dem Klopfen mit der flachen Hand auf die Matte oder auf den Partner oder durch rufen von Maitta, wenn man z.B. keine freie Hand hat. Man unterscheidet zwei Arten von Hebeltechniken: Streckhebel (Gatame-Gruppe) oder Beugehebel (Garami-Gruppe).

In anderen Sportarten, z.B. Ju-Jutsu werden Hebel auch gegen die Beine, Handgelenk und Nacken ausgeführt. Aus Sicherheitsgründen ist das beim Judo verboten.

Obwohl diese Technikgruppe gefährlich klingt, gibt es dabei keine Verletzungen: Erfahrene Judoka wissen, wie weit sie gehen dürfen - sowohl im Versuch, sich aus einem Hebel herauszuwinden als auch beim Hebeln.

Shime-waza (Würgetechniken) Bei den so genannten Würgern wird mit speziellen Techniken mit den Händen oder den Unterarmen Druck auf die seitlich des Kehlkopfes verlaufende Halsschlagader ausgeübt. Durch die daraus resultierende Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff entsteht beim Gewürgten der Eindruck, zu wenig Luft zu bekommen. Andere Techniken, (Hadaka-Jime) greifen die Luftröhre an und hindern so den angegriffenen am Atmen. Daher werden diese Techniken als Würgetechniken bezeichnet.

Auch hier wird durch Abschlagen aufgegeben. Im Wettkampf lassen sich Würger häufig wesentlich schlechter platzieren als Hebel- oder Haltetechniken, da sich
der Hals mit den eigenen Händen bzw. Unterarmen gut schützen lässt.

Schlagtechniken (Ate-Waza/Atemi-Waza)


Heutzutage werden sie nur noch in den Kata weitergegeben und sind das Erbe aus dem japanischen JuJutsu. Manche Vereine lehren sie noch im Rahmen der Selbstverteidigung.

Ude-Ate-Waza (Armtechniken)


Ashi-Ate-Waza (Beintechniken)

Wettkampf (Shiai)


Die Kämpfe werden auf einer quadratischen Matte von in der Regel 8x8 Metern ausgetragen. Der Wettkampf wird durch einen Matten(kampf)richter (Hauptkampfrichter) und zwei zusätzliche Kampfrichter (=Außenrichter) bewertet, die an den gegenüberliegenden Ecken der Kampffläche sitzen.

Die Kampfzeit beträgt für Frauen und Männer fünf Minuten (Senioren: 4 Minuten, U20/U17: 4 Minuten, U14: 3 Minuten, U12: 2 Minuten). Wenn es nach der vorgegebenen Zeit noch Unentschieden steht, wird seit einigen Jahren bis zum Golden Score (jede Wertung - auch Koka [bzw. Kinsai]- führt in der Überzeit zum Sieg) weiter gekämpft. Für jüngere Judokas, der Altersklasse U 11 und U 14, gilt jedoch, dass der Koka nicht als zählbarer Punkt gewertet wird. Für die ausgeführten Techniken und Aktionen der beiden Wettkämpfer kann der Kampfrichter vier verschiedene Bewertungen oder Bestrafungen vergeben. Die Wertungen sind Ippon (voller Punkt), Waza-ari (halber Punkt), Yuko (technischer Vorteil) und Koka (kleiner technischer Vorteil), sowie Kinsai (kann nur nach Ablauf der Kampfzeit des Golden Score zum Sieg füren und wird vom Kampfrichter für den Kämpfer gegeben, der am aktivsten war, siehe Bemerkungen).

Nach der neuen Wettkampfordnung gibt es nur noch die Strafwertung Shido und Hansokumake. Beim vierten Aussprechen der Strafe Shido erfolgt die Disqualifikation durch Hansokumake, das heißt vier Shidos entsprechen einem Hansokumake. Bei der Vergabe der höchsten Wertung (Ippon) oder der höchsten Bestrafung (Hansokumake) wird der Kampf (ähnlich wie bei einem KO beim Boxen) vorzeitig abgebrochen. Erhält ein Kämpfer ein direktes Hansokumake (d.h. nicht als viertes Shido), wird er zusätzlich aus dem aktuellen Wettkampf ausgeschlossen (Ausnahme: Hansokumake für Eintauchen wird zum eigenen Schutz des Kämpfers ausgesprochen und der Kämpfer nicht aus dem Wettkampf entfernt).

Ein Ippon (voller Punkt) wird vergeben, wenn einer der Kämpfer schnell und in guter Technik auf den Rücken geworfen wird, er bei einem Hebel oder einem Würger aufgibt oder 25 Sekunden auf dem Rücken liegend ohne Befreiungsmöglichkeit festgehalten wird.

Die anderen Wertungen werden entsprechend vergeben, wenn die Ausführung des Wurfes nur teilweise erfolgreich war (weniger Schwung, nur teilweise auf den Rücken bzw. auf das Gesäß geworfen usw.). Für die Dauer einer Haltetechnik gelten zudem folgende Bewertungen:


Anmerkung: Hat ein Kämpfer bereits einen Waza-ari erzielt, gewinnt er beim Halten bereits nach 20 Sekunden (waza-ari awasete ippon)

Andere Kampfwertungen:


Bemerkungen: Eine höhere Wertung übertrifft immer niedrigere Wertungen. So übertrifft ein Waza-ari immer eine beliebige Zahl an Yuko oder Koka. Ein Yuko
übertrifft immer eine beliebige Zahl an Koka. Allein ein zweiter Waza-ari führt immer zu einem Ippon (waza-ari awasete ippon) und damit zu einem vorzeitigen technischen Sieg. Alle anderen Wertungen können nicht zusammen gezählt werden - d.h. ein Koka bleibt auch nach dem 10. Koka ein Koka und kann nie zu einem Yuko werden.

Ist der Kampf auch nach der doppelten Kampfzeit in der die Golden Score Regel angewandt wird, nicht entschieden, entscheiden die Kampfrichter durch Abstimmung über den Sieg. Dabei hält jeder der drei Richter eine rote Fahne und eine weiße Fahne waagerecht vor sich und hebt auf Zeichen des Hauptkampfrichters die entsprechende Fahne. Der Kämpfer mit zwei oder drei Stimmen gewinnt, d.h. alle Richter haben gleiches Stimmrecht. Um sich auf diese Situation vorzubereiten, beobachten die Kampfrichter während des Kampfes die Technik der Kämpfer und verteilen für sich Wertungen, Kinsa genannt, die nirgendwo angezeigt, sondern nur gemerkt werden. Hält ein Kämpfer den anderen z.B. 8 Sekunden in einem Haltegriff, und kann sich der andere Kämpfer dann befreien, so wird keine Wertung ausgesprochen, aber diese Aktion sollte von den Richtern bei einer Entscheidung nach der doppelten Kampfzeit honoriert werden. Man nennt diese Entscheidung Hantai. Für Kinder und Jugendliche gelten modifizierte Regeln.

Quelle: Wikipedia